Auf ein Hoch folgt auch immer ein Tief – der Kampf gegen Bettwanzen [MYS]

Auf ein Hoch folgt auch immer ein Tief – der Kampf gegen Bettwanzen [MYS]

27.04.

Wo hat Katrin nur all die Mückenstiche her? Im Bako Nationalpark hat sie sich mit einer Wolke von Mückenspray eingenebelt und dennoch scheint der ganze obere Rücken zerstochen. Zudem kamen in der Nacht noch Stiche im Gesicht und an Armen dazu. Während wir im Hotel auf der Couch entspannen, werden es quasi minütlich mehr. Ich dagegen habe keine einzigen sichtbaren Spuren von tierischen Angriffen. Wir beginnen zu zweifeln, dass es sich um Mücken handelt.

Sieht schlimm aus und juckt dazu auch noch fast unerträglich – und das war nur der Rücken…

Nach ein wenig Recherche müssen wir geschockt vermuten, dass es sich um Bettwanzen handeln könnte. Katrin’s Stiche sind oft nebeneinander und in einer Art Straße angeordnet. Auch das verzögerte Auftreten spricht dafür, würde aber bedeuten, dass wir bereits in der letzten Nacht vor dem Nationalpark Bettwanzen im Zimmer gehabt hätten. 

Den entgütigen Beweis finden wir in Form der Krabbelviecher, die sich direkt in der Nähe des Bettes breit gemacht haben. Bei der weiteren Untersuchung des Zimmers finden wir ein weiteres Nest unter dem Bild – die Viecher sind definitiv schon länger hier! Die Recherche hat gezeigt, dass man damit nicht zu spaßen hat. Bettwanzen bzw. ihre Eier können in Kleidung und Taschen weiter transportiert werden und sind extrem schwer zu besiegen. Nur ein Experte kann den Befall in Zimmern wirksam bekämpfen. Wir sind geschockt!

Die Übeltäter direkt neben dem Bett

An der Rezeption wird uns gesagt, wir könnten einfach neue Bettlaken erhalten oder in ein anderes Zimmer ziehen. Dass die Betten und andere Möbelstücke in dem befallenen Zimmer auf den Schrott gehören, ist ihnen nicht bewusst. Die weiterreichenden Konsequenzen für das Hotel ebenfalls nicht – es gab bereits Unterkünfte, die aufgrund von in Bewertungen erwähnten Bettwanzen erheblichen Schaden genommen haben, weil die Kunden wegblieben. 

Für uns bedeutet das Fiasko, dass wir alle Klamotten heiß waschen und trocknen müssen, sowie die Backpacks und alle Gegenstände abwaschen müssen, um die Wanzen zu töten und potentielle Eier zu entfernen. Kein einfaches Unterfangen und so wissen wir zunächst nicht, wo wir überhaupt anfangen sollen. Schließlich müssen wir auch die Kleidung waschen, die wir anhaben. 

Wir entschließen uns unseren sympathischen Guide und Fahrer Afshin zu kontaktieren. Er hat glücklicherweise Zeit und erklärt sich bereit, uns zu fahren. Ebenfalls kontaktiert er den Manager des Hotels, der danach kurzerhand vor unserem Zimmer auftaucht. Er versteht zum Glück die Konsequenzen und ist deutlich produktiver als seine Mitarbeiter an der Rezeption. 

Der Plan lautet dann also nach kurzem Sammeln wie folgt: 

  1. Afshin fährt uns, um Insektenspray gegen Bettwanzen und neue Kleidung zu kaufen
  2. Zurück zu Unterkunft, duschen, neue Kleidung anziehen und alles andere in Tüten packen
  3. Jedes Kleidungsstück, das wir auf der Reise dabei haben, heiß waschen und trocknen
  4. Backpacks einsprühen und auswischen
  5. Jedes weitere Teil abwischen und abputzen, damit ja nicht in zwei Woche neue Bettwanzen in unserem Gepäck schlüpfen

Afshin begleitet uns und wartet sogar im Waschsalon gemeinsam mit uns. Zudem fährt er uns zwischenzeitlich in ein lokales Restaurant, damit wir auch mal zum Essen kommen. Er lädt uns sogar ein. Afshin wird zu unserem Held und Retter in der Not!

Einmal ALLES waschen! Dafür gibt es wenigstens gutes WIFI im Salon, um sich die Zeit zu vertreiben.

Saubere Kleidung kommt ins neue Zimmer, während potentiell befallene Sachen erstmal im kleinen Hinterhof des Zimmer gelagert werden. Nicht völlig überraschend untersuchen wir das neue Zimmer penibel auf alle möglichen Anzeichen von Bettwanzen. Das Bett und alles wird einmal mit eingesprüht, damit wir ja jeglicher erneuter Begegnung aus dem Weg gehen. Da mindestens zwei Zimmer des Hotels befallen sein müssten, ist dies hier also auch nicht auszuschließen.

So viel Kram, der sauber gemacht werden muss

Zum Glück scheint das Zimmer sauber zu sein und die Stiche vermehren sich zumindest nicht mehr. Warum ich keine Bisse habe, bleibt ein kleines Rätsel. Eventuell zeige ich einfach keine Reaktion, aber dass ich ohne davon gekommen sein soll, scheint doch sehr unwahrscheinlich. 

28.04.

Die Dekontamination geht weiter! Bis 14 Uhr schrubben wir alles, was wir besitzen und verbrauchen die gesamte Dose Insektenspray dabei. Keine Chance den Bettwanzen! Katrin’s Bisse jucken nach wie vor höllisch, haben sich aber nicht mehr großartig vermehrt. Immerhin ein gutes Zeichen.

Nur einer der Stapel mit unserem Zeug

Bei der Säuberung finden wir noch Dinge, die gewaschen werden müssen. Zudem brauchen wir neues Spray für den Notfall. Eine kurze Nachricht an Afshin und schon steht unser Held vor der Tür. 

Katrin setzen wir zunächst bei seiner Verlobten ab, die einen Haarsalon betreibt. Afshin und ich fahren erneut zum Waschsalon und trinken während des Wartens einen Kaffee. Der 30 jährige Malaysier ist seit Jahren in der Tourismusbranche tätig und wir unterhalten uns nett über Gott und die Welt.

Zurück im Salon entdecken wir Katrin, die umsorgt von zwei Damen wird und die Haare gemacht bekommt. Das kleine Beauty-Programm ist sein Segen für die Seele nach den stressigen Tagen und tut ihr sichtbar gut. Es geht also wieder bergauf.

Der Stress fällt ab

Nach der gesamten Prozdeur gehen wir erneut mit Afshin gemeinsam Mittagessen. Dieses Mal laden wir ihn ein für all die Mühen, die er auf sich genommen hat. Für die Fahrten bezahlt werden wollte er nie und so lassen wir diesen Umstand auch dem Hotelmanager zukommen, sodass er die Rechnung hoffentlich übernimmt.

Falls die Pflege im Haarsalon nicht genug gewesen sein sollte, sind die Sorgen spätestens im Restaurant am Abend fast vergessen: Es gibt nämlich WEIN! Roten Wein! Seit Neuseeland haben wir auf den leckeren Traubensaft verzichten müssen und so genießen wir jeden Schluck. Dank Happy Hour gibt es sogar drei Gläser zum Preis von zweien – das kann nur bedeuten, dass das Blatt sich wieder zu unseren Gunsten zu wenden scheint und wir das gröbste überstanden haben.

29.04.

Wahnsinn, was alles so in zwei Backpacks und zwei kleinere Daypacks passt. Wir müssen jedes einzelne Teil wieder einräumen und so nimmt das Packen etwas mehr Zeit in Anspruch als gewöhnlich. Es ist bereits unser letzter Tag in Malaysia, was aufgrund des Stresses der letzten Tage leicht in Vergessenheit geraten ist.

Der Stress ist auch der Grund dafür, dass wir lediglich den Tag im Hotel (weit weg von den Hotelzimmern) verbringen und entspannen. Beim Checkout überreicht uns der Manager dann sogar ein wenig Geld, das zumindest unsere Ausgaben für Reinigungsmittel, Insektenspray, usw. deckt. Eine nette Geste natürlich, die wir dankend annehmen. Er erzählt uns, dass der Befall noch weitere Zimmer betrifft und so hat das Hotel jetzt ein ziemlich großes Problem, um das es sich schnellstmöglich kümmern muss. Bisher dachten wir immer, das Bettwanzen eher in günstigen Unterkünften vorkommen, aber das war wohl ein Trugschluss. Das Hotel in Kuching war einer unserer teuersten Unterkünfte bisher (23 Euro die Nacht), was wohl doch nicht so viel zu sagen hat in Bezug auf Hygiene.

Wer sonst außer Afshin könnte uns heute zum Flughafen fahren? Gemeinsam mit seiner Verlobten holt er uns ab und wir essen noch gemeinsam in einem lokalen Foodcourt. Wir übernehmen erneut die Rechnung, bezahlen aber für alle vier in Summe keine fünf Euro. Gut und günstig eben, so wie es uns gefällt. 

Neun ereignisreiche Tage in Malaysia gehen zu Ende – auf einiges hätten wir gern verzichtet, aber das kann man sich wohl nicht immer aussuchen. Vor allem auf einer sechsmonatigen Reise läuft eben nicht immer alles glatt, was uns nun umso deutlicher bewusst gemacht wurde. So können wir jetzt die positiven Momente (die Hochs) wieder mehr wert schätzen aufgrund der neuen Erfahrungen (die Tiefs). Vor allem wenn dabei eine neue Freundschaft entstanden ist und wir uns wieder mehr auf Dankbarkeit über die so viele schöne Dinge der Reise fokussieren können.

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