Auf Siquijor wird ein Lächeln immer erwidert [PHL]

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21.05.

Erholung ist, wenn man wach wird, ohne dass der Wecker läutet. Solche Tage sind tatsächlich selten gewesen in letzter Zeit, heute aber stand Ausschlafen an oberster Priorität. Viel mehr ist am heutigen Tag nämlich auch nicht geplant, denn wir sind letztendlich seit über zwei Tage unterwegs gewesen (Taiwan – Manila – Cebu – Siquijor).

Das etwas abseits gelegene Hotel bietet dafür die fast perfekte Möglichkeit. Das Frühstück geht völlig in Ordnung, die Umgebung äußerst ruhig und die Aussicht auf das ruhige Meer und weitere der über 7000 Inseln wirkt sehr beruhigend. Einziges Manko ist, dass es nur zwei Hängematten gibt, wovon leider nur eine im Schatten ist. Ohne Schatten sind wir jedoch (noch) nicht für die intensive Sonne gewappnet und versuchen mit unseren Handtüchern etwas zusätzlichen Schatten zu erzeugen. Dazu wird die 50er Sonnencreme großzügig aufgetragen, um die Gefahr von Sonnenbrand weitestgehend zu minimieren. 

Neben der Unterkunft soll es eine Leiter zum Meer geben, wo ein kleines Riff zum Schnorcheln zu finden ist. Der Begriff “Leiter” spiegelt dabei nicht wirklich wieder, was wir vorfinden: ein sehr wacklig wirkendes Bambusgerüst, das so bestimmt nicht durch den TÜV kommen würde! Scheint aber alles zu halten, also machen wir uns an den kurzen Abstieg und können unten angekommen über eine paar Steine ins kühle Nass gelangen. 

Das Riff ist nicht das eindrucksvollste aller Zeiten, dennoch haben wir eine super klare Sicht und sehen ein paar Fische und erneut unseren Freund aus Fiji, die Seeschlange. Eine leichte Strömung und leichter Wellengang machen das Schnorcheln doch zu einer eher sportlichen Aufgabe, sodass wir nicht allzu lange im Wasser verweilen. Unser der Sonne ausgesetzter Rücken dankt uns dies ebenso.

Wahrscheinlich nicht sichtbar, aber dort schwimmt irgendwo eine Seeschlange

Nach einem entspannten Tag auf den Liegen, beschließen wir abends doch mal den gemieteten Roller anzuwerfen, um das Abendessen auswärts zu uns zu nehmen. Waren bisher die Portionen immer eher klein und zumindest bei mir blieb oft ein kleiner Resthunger, übertreibt das heutige Restaurant etwas mit der Portionsgröße. Ich bekomme mein Curry gerade so auf, Katrin gibt irgendwann bei ihrem Gericht auf, weil es schlichtweg zu viel ist. Eine Rolle dabei könnten auch die enormen als Vorspeise bestellten Mozzarella-Sticks gewesen sein (vier Stück an der Zahl mit jeweils mindestens der Größe eines Unterarms). 
Kugelrund trägt uns der Roller zurück (mit etwas mehr Mühe als auf dem Hinweg) und das ist gleichbedeutend mit unserer letzten Heldentat heute. 

22.05.

Heute haben wir uns vorgenommen, etwas produktiver zu sein. Es stehen noch 10 ungebuchte Nächte auf den Philippinen aus, um unsere Planung der verbleibenden Zeit zu finalisieren. Wir entschließen uns noch drei weitere Nächte auf Siquijor zu buchen, nachdem wir einen Abstecher auf eine kleine Nachbarinsel machen. Im Anschluss bleibt noch eine Woche auf Panglao, das etwas touristischer (hoffentlich zu sehr) sein soll und wo wir eine schöne Unterkunft mit Pool finden. 

Für die weiteren Tage auf Siquijor fahren wir kurzerhand zu einer Unterkunft, die uns im Internet zugesagt hat, und gucken uns das ganze persönlich an. Tolle Liegemöglichkeiten, ein großes Zimmer mit Klimaanlage und freundliche Besitzer – wir buchen direkt vorort. Sie und wir sparen dadurch Gebühren von Online-Plattformen, was natürlich beide zufrieden stellt. 

Und da haben wir es: es sind tatsächlich alle verbleibenden Unterkünfte und auch Flüge gebucht. Keine weitere große Planung ist notwendig und wir können die verbleibende Zeit entsprechend ohne den Stress genießen. Ein befreiendes Gefühl, aber auch etwas beängstigend ehrlich gesagt. In genau einem Monat landen wir bereits wieder in Düsseldorf. EIN Monat nur noch! Wo ist die Zeit nur hin, hören wir uns heute öfter sagen. Natürlich freuen wir uns auf Deutschland, aber irgendwie ist es dennoch schade, dass die Reise “jetzt schon” zu Ende geht. Auf jeden Fall ist diese Erkenntnis nur noch ein Grund mehr, jeden weiteren Moment unserer Weltreise vollständig auszukosten und zu genießen. 

Nach der Pflicht und der kleine Auseinandersetzung mit dem Konzept der Zeit folgt wieder Vergnügen: wir steuern den Paliton Beach an, der recht klein und beschaulich ist, aber zum im Sand liegen und ins Wasser gehen mehr als geeignet ist. Endlich sind wir wieder am Meer und am Strand. Der Sprung ins Wasser gestern war der erste, seit wir eine Woche auf Koh Rong in Kambodscha verbracht haben. Eindeutig zu lange her! Irgendwo muss da ein Fehler in unserer Planung gewesen sein, dass wir solange nicht den Geschmack von Salzwasser erfahren konnten. Jetzt ist es auf jeden Fall schön, wieder dieses Gefühl aufleben zu lassen. 

Ein netter Nebeneffekt ist natürlich auch, dass die etwas verloren gegangen Bräune schnell zurück kehrt. Wobei “schnell” bei Katrin nicht ganz zutrifft. Während ich langsam dunkler werde und die Abdrücke der Badehose deutlicher zum Vorschein kommen, übertreibt Katrin maßlos und ist innerhalb einiger Sekunden mehr oder weniger komplett schwarz. Ich bitte dies bei der Betrachtung spätere Bilder in Erinnerung zu behalten, wenn ich wie ein Kalkstein wirken sollte neben ihr.

Solche Strecken laden einfach nur zum Entdecken ein

Gegen späten Nachmittag machen wir uns auf den Rückweg, denn ich habe heute noch etwas vor: neben unserer Unterkunft wird jeden Abend Basketball gespielt und das will ich mir nicht entgehen lassen. Bereits gestern beim Vorbeifahren wurden wir freundlich angesprochen und ich eingeladen mitzuspielen. Heute lass ich mir das nicht nehmen und gucke mal, ob ich das Spiel in den letzten fünf Monaten noch nicht ganz verlernt habe.

Die meisten Einheimischen spielen barfuß oder mit ihren Flipflops, während wir gemeinsam in der Abendsonne schwitzend den ein oder anderen Ball im Korb versenken. Um das Feld versammelt sich zudem das ganze Dorf und es wird gejubelt und mitgefiebert (vor allem wenn der komische Tourist den Ball hat). Außer der mangelnden Fitness schlage ich mich ganz gut und unser Team gewinnt sogar alle drei Spiele. Völlig nass geschwitzt und platt begebe ich mich zurück in die Unterkunft, wo ich von einigen der “Fans” begrüßt werde, die mit den Mitarbeitern befreundet sind – in dem Dorf kennt sich wirklich jeder und das macht es gerade so sympathisch. 

Apropos sympathisch: mit Ausnahme der Neuseeländer treffen wir hier wohl mit auf die freundlichsten Menschen (eventuell geteilter zweiter Platz mit Indonesien). Bei unseren Rollertouren werden wir immer mindestens gegrüßt, wenn nicht noch ein breites Lächeln dazu kommt. In den etwas abgelegeneren Ecken ist erst Verwunderung in die Gesichter der Einheimischen geschrieben, aber auf unser Lächeln erhalten wir immer ein ehrlich gemeintes Grinsen zurück. Beim Fahren wird uns manchmal freundlich zugehupt von anderen Fahrzeugen und Kinder freuen sich prinzipiell und bedingungslos uns zu sehen. Wenn wir auf eine Gruppe Jugendlicher zu fahren, wissen wir mittlerweile bereits was kommt und können unser Grinsen gar nicht mehr zurückhalten, bevor überhaupt irgendwas geschehen ist. Es ist einfach schön, soviel Freude und Offenheit zu begegnen – wir sind ganz hin und weg von dieser Kultur.

Ich erinnere mich noch an vergangene Morgende in Frankfurt auf dem Weg zur Arbeit: in der Bahn sah man nicht ein glücklich wirkendes Gesicht, von einem Lächeln ganz zu schweigen. Würde man dort genau wie auf Siquijor einfach mal die Leute anlächeln, würde die wahrscheinlich einen Arzt rufen. (Natürlich etwas übertrieben, aber dennoch mit viel Wahrheit versehen.) 

Wir werden versuchen diese Freundlichkeit in unseren Herzen mit nach Deutschland zu nehmen und ein bisschen dieser Kultur mit in die unsere einfließen zu lassen.

23.05.

Die Insel zu erkunden, stellt unser heutiges Tagesziel dar: Wasserfälle, Strände und schöne Landschaften warten nur darauf, von uns entdeckt zu werden. 

Die Cambugahay Wasserfälle sind unser erster Stopp. Mehrere Pools laden zum Baden ein, sogar zwei Grillstände gibt es und diverse Affenschaukeln sind von Einheimischen besetzt, die etwas Geld damit verdienen, Touristen den Sprung in die Becken zu ermöglichen. Die vielen Einrichtungen bedeuten natürlich ebenfalls, dass es eine Vielzahl von Touristen gibt. Die meisten davon kommen jedoch aus den Philippinen, denn Siquijor hat sich auch bei ihnen als tolles Urlaubsziel herumgesprochen. 

Der ruhige Teil der Wasserfälle…
… und im Gegensatz dazu der vollere Teil

Das kühle Nass ist eine willkommene Erfrischung, denn es scheint durchgehend die Sonne und wir kommen selten aus dem Schwitzen raus – aber genau das wollten wir ja und so können wir das tolle Wetter uneingeschränkt genießen. 

Abkühlung!

Der Strand, den wir uns zum Verweilen ausgesucht haben, ist leider gesperrt. Angeblich wird dort ein neues Resort gebaut und wir müssen uns also eine Alternative suchen. Bei Google Maps finden wir einen nah gelegenen Strand, wo wir erneut unser Glück versuchen.

Irgendwann endet die gepflasterte Straße und wir müssen etwa fünf Minuten durch ein Waldstück fahren – alles kein Problem mit den mittlerweile erworbenen Fahrkünsten. Belohnt werden wir mit einem kleinen Strand, an dem lediglich ein paar Fischer ihrer Arbeit nachgehen. Es wird natürlich freundlich gegrüßt (was auch sonst?) und wir können uns in Wasser stürzen. Die Sicht unter Wasser ist wiedermal unbeschreiblich. Da kann man gar nicht anders, als ein wenig zu schnorcheln.

Oder zumindest sich einfach mal treiben lassen

Das Riff scheint auch hier noch gesund zu sein und die vielen Fische sich wohl zu fühlen. Etwas weiter draußen entdecke ich eine schwimmende Plastiktüte, die ich schnell einsammeln möchte. In dem Moment, wo ich abtauche, sehe ich sie: die erste Schildkröte der Philippinen! Scheinbar etwas scheu, macht sie sich schnell aus dem Staub (oder wie man das eben unter Wasser nennt). Zeit für ein Bild bleibt leider nicht, aber dazu werden wir noch genügend weitere Möglichkeiten haben. 

Mit der Plastiktüte in der Tasche schwimme ich zurück zum Strand, wo Katrin wartet. Leider war sie nicht so weit mit raus geschwommen und konnte heute noch keine Schildkröte sichten. Dafür haben wir mit etwas Glück ein Leben gerettet, denn die Tiere verwechseln Tüten gern mal mit nahrhaften Quallen und können so sogar an dem Müll sterben.

Hatte ich nicht gerade noch das schöne Wetter gepriesen? Bei der Weiterfahrt holt uns ein kurzer Regenschauer zurück auf den Boden der Tatsachen und wir sind komplett nass, bevor wir mit dem Roller zum Stehen kommen und Unterschlupf suchen. Bei über 30 Grad ist dies natürlich kein Weltuntergang und wir sind kurze Zeit später auch schon wieder trocken. 
Zumindest solange, bis wir am nächsten Strand erneut Schnorcheln gehen. Es wird vorher sogar ein Eintritt fällig, was gleichbedeutend ist mit einer Vielzahl an weiteren Touristen ist. Ein kleines Mittagessen gefolgt von weiteren Unterwasser-Entdeckungen lassen wir uns dadurch aber nicht nehmen. 

Nemo zu finden ist doch gar nicht so schwer
Riesige Seesterne sind keine Seltenheit
Ein beeindruckender Feuerfisch

Nach einem langen Tag treten wir die Rückfahrt kurz vor Sonnenuntergang an und werden erneut verzaubert von dieser Landschaft – wir sind begeistert von den Philippinen und freuen uns auf jeden weiteren Tag, den wir hier genießen dürfen.

Bei dieser Aussicht muss einfach stoppen, um zu genießen

24.05.

Letzter ganzer Tag auf Siquijor, bevor es morgen per Fähre auf eine weitere Insel geht. Zu organisatorischen Zwecken müssen wir den Rollerverleih an der Fähre aufsuchen, denn auf Anrufe wird schlichtweg nicht reagiert. Es ist eben ein entspanntes Völkchen und wir müssen eh in die Richtung, um uns mit neuem Bargeld zu versorgen (Geldautomaten gibt es eher weniger auf der Insel).

Wir werden sofort erkannt von den Vermietern, die uns ja bereits einmal über die Insel begleitet haben. Da unsere Fähre morgen an einem anderen Ort ablegt, vereinbaren wir dort die Rollerübergabe – wir sparen uns dadurch eine Stunde Fahrt und viel Aufwand. 
Nachdem alles geregelt ist, wollen wir ein kurzes Päuschen im Cafe am Hafen machen. Schnell wird dies vom Vermieter bemerkt, der uns kurzerhand ein anderen Laden um die Ecke empfiehlt. “Zufälligerweise” gehört er seinem Cousin, aber der Kaffee und die Kleinigkeit zu essen gehen völlig in Ordnung, sodass wir gestärkt unsere Erkundung der Insel fortsetzen können.

Auf geht es!

Der Roller trägt uns dabei ein wenig abseits der Hauptstraße. Heißt für uns, dass wir wieder fleißig beschäftigt damit sind alle möglichen Leute zu grüßen. Irgendwie, als wenn man dazu gehören würde und einfach alten Freunden mit einem Grinsen begegnet – zum Glück ist Lachen gesund!

Den ersten angesteuerten Strand gibt es so wohl nicht (mehr) und auch eine Straße ist einfach von einer riesigen Baustelle gesperrt. So müssen wir einfach wieder umdrehen und die gleich Strecke zurück fahren, aber wir haben glücklicherweise alle Zeit der Welt. Nach den neuen entdeckten Ecken der Insel landen wir später erneut am Paliton Beach – ein guter Ort zum Entspannen.

Wir wissen tatsächlich nicht genau, was das eigentlich ist – aber schön immerhin

Die Tage hier sind generell eher von Entspannung bestimmt, denn unseren Tatendrang haben wir in den letzten fünf Monaten mehr oder weniger aufgebraucht. Körper und Geist brauchen nun schlichtweg etwas Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten. Zum Glück scheinen wir uns mit den Philippinen dafür den perfekten Ort heraus gesucht zu haben. 

Der Abend besteht lediglich noch aus Packen und Essen. Letzteres sogar zweimal, denn irgendwie war die erste Portion nicht ausreichend. Dadurch treibt uns unser Magen erneut Richtung Mozzarella-Sticks – danach ist es nämlich unmöglich, noch Hunger zu haben. 
Auf dem Rückweg geraten wir in eine Polizeikontrolle – jetzt wird es ernst! Der Fahrer ist verpflichtet einen Helm zu tragen (hat er nicht getan) und natürlich muss ein Führerschein vorgezeigt werden (ist gut verstaut in der Unterkunft). Was droht uns jetzt? Nach ein paar freundlichen Worten reicht es, wenn ich den Helm aufsetze und wir versprechen, nächste Mal auf jeden Fall den Führerschein dabei zu haben. Sogar die Polizei ist hier entspannt – es gefällt uns immer besser.

Zum Glück kommen wir nach den nächsten drei Tagen auf Apo Island nochmals zurück nach Siquijor, denn wir haben die Insel etwas in Herz geschlossen. Die Freundlichkeit der Einheimischen, die vernünftige aber nicht zu stark ausgeprägte Infrastruktur (Restaurants usw.) und allgemein die ganze Stimmung auf der Insel – für all dies sind wir dankbar und all dies sorgt für Vorfreude auf die weiteren Tage vorort.

Siquijor von seiner besten Seite

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