Kulturschock in Fiji [FIJI]

You are currently viewing Kulturschock in Fiji [FIJI]

09.02.

Wir haben die Sache mit der Vorbereitung etwas vernachlässigt und kommen daher relativ orientierungslos am Flughafen auf der Hauptinsel Fijis an (Viti Levu). Der Transport von unseren Gastgebern zur Unterkunft (Nadi) funktioniert zwar, dort stellen wir jedoch fest, dass es kein WLAN gibt und die Gastgeber ebenfalls nicht vorot sind.

Die Umstände sind nicht gerade optimal, wollen wir am morgigen Tag doch eine Fähre auf die Yasawa Islands nehmen und haben keinen Plan, wie wir zum 25 km entfernten Hafen (Lautoka) kommen sollen. Weiterhin würden wir gern noch eine Kleinigkeit essen, aber die Nachbarschaft lädt nicht gerade zum Spazieren ein, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Abgeholt am Flughafen wurden wir übrigens von den Schwiegereltern der Gastgeber, die tatsächlich entfernte deutsche Wurzeln haben: Sie heißt Barbara Fisher (das “c” ist wohl irgendwo verloren gegangen). Beide sind jedoch äußerst freundlich und bieten uns an, sowohl jetzt noch mit uns Abendessen und Wasser zu holen, als auch uns am nächsten Tag früh zur Fährt zu fahren.

Wir fahren zum nächstgelegenen Schnellimbiss und bestellen frittiertes Hähnchen mit Pommes – während der Schwiegervater und ich warten, gehen Katrin und dessen Frau geht mit Katrin in den nahen Supermarkt, um Wasser zu kaufen. Geschlechtsspezifische Rollenverteilung wird hier noch groß geschrieben, wie wir auch später noch merken werden.

Mit dem Hinweis, bitte nicht die Tür nachts zu öffnen, werden wir wieder in der Unterkunft abgesetzt und allein gelassen – sehr beruhigend das Ganze! Das Hähnchen wird verspeist und wir merken relativ schnell, wie warm es eigentlich ist. Wir sind quasi ab der ersten Sekunde am Schwitzen, dank über 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit. 

Zusammenfassend erleiden wir auf jeden Fall unseren ersten kleinen Kulturschock an diesem Tag, aber wenn man bedenkt, dass wir soeben auf den Fijis angekommen sind, lässt sich das doch leichter verkraften. Was ein Luxus, wenn man mal genauer drüber nachdenkt! 

10.02.

Die Nacht war o.k. – der Ventilator hat uns etwas kühl gehalten, der bellende Hund dafür auch wach. Die Mücken haben bereits nach der Ankunft begonnen sich auf unserer Haut zu verewigen, aber das bleibt in so tropischen Gegenden wohl nicht aus. Einen kleinen Haken muss das Paradies ja haben. 
Die Fähre heute soll laut unseren Gastgebern um 8:00 Uhr morgens ab Lautoka fahren. Sie stellt eine von drei Alternativen dar:

  1. Normale Fähre – wird hauptsächlich von Locals genutzt, dauert nur 3,5 Stunden und ist am günstigsten 
  2. Tourifähre – 5 Stunden Fahrt mit schönen Ausblicken und teurer
  3. Wasserflugzeug – 45 Minuten, aber natürlich äußerst teuer

Die Entscheidung ist daher ganz klar auf Nummer 1 gefallen und wir sind dann auch die einzigen Touris auf dem Boot.

Hier das Bild der Fähre von der Rückfahrt mit mehr Touris

Bevor wir dort ankommen, lernen wir jedoch erstmalig die Bedeutung von “Fiji Time” kennen – wir sollten um 7:00 Uhr abgeholt werden und warten erstmal 15 Minuten vergebens. Wir zweifeln bereits an unserer Abmachung vom gestrigen Abend, bis die liebgewonnen Schwiegereltern der Gastgeber auftauchen und ganz entspannt uns begrüßen.

Nachdem wir nochmals beiläufig auf der Fahrt erwähnen, dass die Fähre wohl um 8:00 Uhr fährt, wird dafür etwas mehr aufs Gas gedrückt. Wir sind pünktlich da, nur um dann zu erfahren, dass die Fähre um 8:30 Uhr erst abfährt. All die “Hektik” also umsonst und wir können sogar noch in Ruhe ein wenig Proviant in einer Bäckerei einkaufen. 

Das Boot ist schon eine Erfahrung für sich – Platz für maximal 20 bis 30 Personen und schon in die Jahre bekommen. TÜV würde es definitiv nicht bekommen, aber wir sind hier nicht in Deutschland! Es fährt ohne unterzugehen und das soll uns reichen. 

Nach 3,5 Stunden erreichen wir “unsere” Insel für die nächste Woche: Nanuya Island. Die Insel gehört zu der Inselgruppe Yasawa Islands, die sich wiederum nordwestlich von der Hauptinsel befindet. 

Wir werden vom Boot abgeholt.. und zwar mit einem Boot, das uns dann zur Unterkunft bringt, dem Sunrise Homestay. Wir erhalten eine kleine Hütte direkt am Strand (wo auch sonst) mit eigenem kleinen Bad. Das ganze Haus neigt sich zwar schon ein wenig, aber die Lage ist unschlagbar und ein eigenes Bad hat nach 5 Wochen Camper auch mal was schönes. 

Das Homestay wird von einer Familie betrieben. Der 84-jährige Großvater ist der Chef und darf als einziger mit den Gästen zusammen essen (bzw. sich das Recht dazu raus nimmt). Sein Sohn und dessen Sohn sind für Ausflüge wie Schnorcheln zuständig, die drei Damen (Frauen des Großvaters und seines Sohnes und eine Tochter) für Putzen und Kochen. Da ist sie wieder, die klassische Rollenverteilung.

Wenn die Bewohner nichts zu tun haben, was doch recht häufig vorkommt, sieht man sie eigentlich ausschließlich in einer überdachten Fläche am Strand liegen, sowie reden oder schlafen. Das Leben ist hier doch sehr sehr einfach – unglücklich scheinen sie darüber natürlich nicht zu sein.

Da wir relativ früh bereits auf der Insel angekommen sind, entschließen wir uns noch einmal über die Inseln (30 Minuten) zu laufen, um die blaue Lagune zu begutachten (gleichnamiger Film). Der Strand ist schlichtweg wunderschön und vor allem komplett verlassen. Schilder weisen zwar darauf hin, dass es sich um  Privatgelände handelt, jedoch darf der Strand wohl begangen werden, wenn keine Reisegruppen bzw. Kreuzfahrtschiffe vorort sind. Etwas verwundert über diese Eigenheiten laufen wir zurück und gehen dieses Mal anstatt über die Insel um die Insel herum am Strand. Dies soll problemlos gehen bei Ebbe. Ha, guter Scherz! Wir laufen knöcheltief durch einen Mangrovenwald und sinken zum Teil noch tiefer ein in den schlammigen Untergrund. Die Wanderung zieht sich über 45 Minuten etwa und bei der Sonne dauert das gefühlt nochmal länger.

Geschafft fallen wir nach dem gemeinsamem Abendessen ins Bett und fallen und fallen und fallen. Das Bett hat den Widerstand eines Wasserbettes.. mit viel zu wenig Wasser! Zusammen mit der Schräge des Hauses rollen wir (bzw. ich) fast aus dem Bett heraus, ganz abgesehen davon, dass unsere Liegeposition eher einer Sitzposition gleicht. 

Da wir viel erlebt haben, schlafen wir auch trotz der unglaublichen Hitze gut. 

Schreibe einen Kommentar